Irlandtrip 2016

Letzten September war ich mal wieder in Irland, mittlerweile zum vierten Mal! Ich bin ein bisschen rumgereist und habe dabei ein paar Fotos gemacht.

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Beautiful Bundoran! Meine Reise begann in einem berühmten Surferort, wo ich 5 Tage lang in einem Hostel blieb und surfen lernte. Surfen ist echt anstrengend und schwierig, macht aber Spaß. Man vermisst den Geruch und Geschmack des Meerwassers, wenn man weg ist.

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So sieht es in County Donegal aus. Dieser Teil Irlands liegt ganz im Norwesten, an der Grenze zu Nordirland.

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Das Wetter war übrigens ganz gut an dem Tag.

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Hier seht ihr Slieve League, die höchsten Klippen Europas. Sie sind nicht so steil wie die berühmteren Cliffs of Moher (auch von denen habe ich ein Foto), aber wesentlich höher als z. B. das Empire State Building.

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Die beiden Kanadier, mit denen ich unterwegs war und ich kehrten auf dem Rückweg in diesem kleinen Pub ein. Der Besitzer war ein typischer, echt cooler Pub-Besitzer-Opa aus Großbritannien. Es war superinteressant mit ihm über Gott und die Welt und seine Meinung zum Brexit zu quatschen.

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Auf dem Weg nach Galway machte ich einen kurzen Zwischenstopp in Sligo, der Heimatstadt des berühmten irischen Poeten W. B. Yeats.

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Hier sind wir in Galway, der Stadt am Wasser, in die sich alle Irland-Touristen verlieben. Auch unter Studenten ist Galway sehr beliebt. Ich persönlich habe mein Herz aber schon lange an Cork verloren 🙂

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Die Bänder erinnern an die Suizidopfer, die sich von dieser Brücke in den Fluss gestürzt haben. Obwohl die Brücke nicht hoch und der Fluss eher schmal ist, reißt die starke Strömung sofort mit.

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Ich liebe Irland unter anderem wegen seiner zahlreichen gemütlichen Cafés.

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Von Galway aus habe ich eine Tour zu den Aran Islands gebucht. Um dorthin zu kommen, musste man mit einer klitzekleinen Fähre über den Atlantik tuckern. Das Boot wackelte und Wasser schwappte ständig herein. Das war ein ziemliches Abenteuer, nicht zuletzt für meinen Magen.

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Ich war auf Inis Oírr, der kleinsten der drei Inseln.

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Die Tour beinhaltete eine längere Rückfahrt, sodass man mit dem Schiff unter den Cliffs of Moher vorbeifahren und das Panorama bewundern konnte. Ich war aber viel zu sehr mit Überleben beschäftigt, als dass ich mich daran erfreuen konnte und traute mich erst wieder durch den Kamerasucher zu gucken, als wieder sicheres Land unter den Füßen hatte. Dann gings mir auch schlagartig wieder gut.

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Und hier noch einmal die Cliffs of Moher von nahem

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So sah es übrigens beim letzten Mal aus, als ich versucht habe, die Cliffs of Moher zu sehen: Von der Aussichtslattform guckte man mitten auf eine graue Nebelwand.

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Ich fuhr die Westküste hinunter bis nach Cork (Fotos findet man anderer Stelle in diesem Blog) und reiste dann weiter im Osten Richtung Dublin Flughafen. Hier sieht man die Stadt Waterford, wo ich einen kurzen Zwischenstopp gemacht habe.

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Meine letzte Station war Kilkenny, hauptsächlich weil ich mal die Stadt zum Bier sehen wollte. Man sagt, die Southpark-Figur sei nach der Stadt benannt. Außerdem sind sie dort so verrückt nach Hurling, dass es sogar eine riesige Statue zu Ehren der Sportart gibt.

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Das Kilkenny Castle ist sehr berühmt. Ich war nur einen Abend in der Stadt, deswegen habe ich es nicht mehr von innen gesehen, aber ich was sicherlich nicht das letzte Mal in Irland 🙂

Das Große und Ganze

Hallo ihr treuen Seelen!

Für meine Entsendeorganisation sollte ich einen Abschlussbericht schreiben und den wollte ich euch nicht vorenthalten. Wenn ihr meinen Blog verfolgt habt, dürften euch viele Sachen bekannt vorkommen, aber wenn ihr Lust und Zeit habt, lest gerne trotzdem mal rein.

Es gibt übrigens demnächst ein Event: Am 13.11. findet die Veranstaltung Freiwillige berichten statt, wo meine Mitfreiwilligen, die z. B. in Israel, Griechenland und China waren, von unseren Erfahrungen erzählen. Im Anschluss können sich Menschen zwischen 17 und 26 Jahren für einen Freiwilligendienst bewerben, wenn sie das denn möchten. Das Event ist öffentlich und umsonst und findet um 17 Uhr im Studio DuMont am Appellhofplatz statt. Ihr seid herzlich eingeladen!

Und nun der Abschlussbericht:

Erzählt man, dass man ein halbes Jahr auf einem Bauernhof mitten in der irischen Einöde arbeiten möchte, bekommt man zwei Reaktionen: „Das wäre ja nichts für mich“, was zu meiner Überraschung sehr selten vorkam, denn viel häufiger hörte ich: „Das klingt echt ziemlich cool! Wie bist du darauf gekommen?“

Zufällig. Schon lange wollte ich eine Zeit im Ausland leben, aber irgendetwas hat mich immer abgehalten. Da stieß ich auf die KFA mit ihrem Programm. Weil es so einfach war, schickte ich zum Spaß meine Daten hin und wurde prompt zu einem Info-Abend eingeladen. Die Beschreibung des Farmprojektes sprach mich sofort an, doch ich war mir unsicher: Auf dem Land leben, obwohl ich die Stadt so liebe? Schwere körperliche Arbeit? Ich bin ja eher so ein entspannter bis gemütlicher Mensch…Was ist mit den „einfachen“ Lebensumständen? Gibt es da vielleicht nur ein Plumpsklo? Und dann ist Irland ja auch quasi um die Ecke, ein Projekt in China oder Israel wäre doch bestimmt spannender…Meine Freunde jedoch waren total begeistert und sprachen mir zu. Trotz aller Zweifel wollte ich es aber auch selbst unbedingt erleben, es klang nach einem Abenteuer für mich. Nach 13 Jahren Schule und drei Jahren Studium meine Hände benutzten. Etwas Sinnvolles tun, nicht nur Texte lesen und Zahlen auswendig lernen. Holz hacken, Trekker fahren, mit Tieren arbeiten. Schafe und Kühe statt Pudel und Meerschweinchen. Das Masterstudium würde mir nicht weglaufen und außerdem hatte ich zu dem Zeitpunkt auch keine Lust mehr, in der Uni zu sitzen. Ich würde durch die Bauernhofarbeit vielleicht endlich lernen, meinen inneren Schweinehund zu besiegen, auch meiner Fitness wäre das bestimmt zuträglich. Nicht zu vergessen die verbesserten Englischkenntnisse, was ja auch beruflich gerne gesehen wird.

Die Entscheidung war gefallen und sogar meine Eltern waren überraschend positiv gestimmt. Monate des Wartens, Bangens, Vorbereitens, Gummistiefel-Shoppens später, stieg ich mit meinem Mitfreiwilligen aus dem Flugzeug. Es fühlte sich noch nicht so ganz wahr an, doch das änderte sich schnell, als wir direkt in die Arbeit eingespannt wurden: An diesem Tag war der Shop geöffnet, den der Farmer und die Freiwilligen seit einem Jahr regelmäßig betrieben. Als wir dahin kamen, war er sehr voll, ein typischer Samstag, wie ich mit der Zeit erfahren sollte. Der Laden passte gut nach Cork: Etwas heruntergekommen, aber sehr charmant. Er war rustikal aber liebevoll eingerichtet, die Wände unverputzt, es standen wenige große Holztische darin, um die bunte Stühle drapiert waren. Am besten, man stellt sich ein kleines Café vor: Es gab heiße Getränke, morgens aß man Haferschleim und Nachmittags hausgemachte Suppe oder Apple Pie. Oder man kaufte ein, um zu Hause zu kochen: Es gab Auslagen mit Gemüse, Fleisch, Milch, selbstgemachtem Joghurt und anderen Dingen. Wir wurden zunächst sehr herzlich von unseren Mitfreiwilligen begrüßt und mit Kaffee und Essen versorgt. Im Laden blieb ich dann den ganzen Tag: Mir wurden die Preise und die Kaffeezubereitung erklärt, ich sollte spülen und abtrocknen. Der Farmers Market, der sich vor und um den Laden befand, zog viele Hippies und andere Alternative an und so hatte ich direkt die Gelegenheit Seaweed Salad und Wheatgrass Juice zu probieren. Letzteres war ein unheimlich gesundes Getränk, das auf rätselhafte Art und Weise aus jungen Weizenpflanzen hergestellt wurde und auch tatsächlich nach Wiese schmeckte.

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Abends konnte ich mir endlich mein neues Zuhause angucken: Das Basement, also der Keller des Bauernhauses, wo alle vier bis acht Freiwilligen wohnten. Es war einfach, aber gemütlich eingerichtet. Vor allem das Wohnzimmer mit Sofas und Kamin sah behaglich aus, doch auch die Zimmer, die wir uns zu zweit oder dritt teilten, waren schön. Das Badezimmer war zwar nicht unbedingt luxuriös, doch es gab eine richtige Dusche und auch das Plumpsklo blieb mir erspart. Beheizt wurde das Wasser und die Räume mit dem Boiler, einem großen Feuerkessel, der sich in einem Raum neben der Wohnung befand. Das bedeutete auch, dass man morgens nicht direkt unter die warme Dusche springen konnte, es sei denn, man hatte zwei Stunden zuvor Feuer im Boiler gemacht. Über Nacht ging das Feuer aus, es blieb also nachts und morgens so lange kalt, bis jemand den Boiler anmachte und er eine ganze Weile lief. Darauf hatten wir uns aber schon eingestellt, nur an die Kälte mussten wir uns noch gewöhnen.

Das Abenteuer ging dann richtig am Montag los, meinem ersten Arbeitstag. Morgens fuhren wir mit dem Traktor aufs Feld und pflückten Rüben, dann sammelten wir Eier und fütterten die Tiere. Die Farm war sehr groß mit vielen Wiesen, Wäldern, Wegen und Ställen, sie bot dementsprechend Platz für einige große Tierherden. Es gab Kühe, Schweine, Schafe, Hühner und Enten und später auch sehr zutrauliche Ziegen. Außerdem zwei Esel und zwei Bordercollies, die nie von unserer Seite wichen. Das Versorgen der Tiere sollte zur Routineaufgabe werden. Jeden Morgen war das als erstes dran, anschließend fanden wir uns zur Teepause zusammen. Da Tee und Kekse in Irland einen hohen Stellenwert haben (korrekte Teezubereitung hat man auch nach 6 Monaten Aufenthalt nicht komplett perfektioniert), musste ich mich schnell verabschieden von der Idee eines durch die harte Arbeit gestählten Körpers. Während der Teepause wurde die Arbeit des kommenden Vormittages besprochen, später trafen wir uns wieder zum Mittagessen in unserer großen Küche, bevor wir die letzten paar Stunden Arbeit in Angriff nahmen.

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Einige Aufgaben änderten sich über die Zeit nicht: Tiere füttern, Ställe ausmisten (zum Glück nicht so oft, wie ich es erwartet hätte), Kuh- und Schafherden über die Straße zu einem Feld treiben, Gemüse ernten, Feuerholz mit einer Maschine spalten und einlagern, den Shop vorbereiten. Dazu gehörte das sterilisieren und befüllen von Milchflaschen, die Herstellung von Joghurt und das Schneiden von Suppengemüse. Der Shop hatte an drei Tagen die Woche geöffnet. Ein Teil der Freiwilligen arbeitete dann dort, während die anderen sich um die Farm kümmerten. Es war eine nette Abwechslung, in Cork zu sein. Die zweitgrößte Stadt und ehemalige Hauptstadt Irlands ist zwar mit 120 000 Einwohnern immer noch recht übersichtlich, hat aber viel zu bieten: Gemütliche Cafés, schicke Restaurants, eine reiche Auswahl an Klamottenläden und vor allem viele gemütliche Kneipen. Regelmäßig blieben wir über den Samstagabend in einem Hostel, um eine Pubtour zu machen, Livemusik zu hören und fantastische Pizza zu essen. Ich kann wohl bedenkenlos behaupten, jeder von uns Freiwilligen hat sich in der Zeit ein bisschen in diese Stadt verliebt. Die Iren machen es einem aber auch wirklich leicht, sich wohlzufühlen: Freundlich, ungezwungen, sehr höflich, dabei aber natürlich und immer zu lockerem Smalltalk und einem Scherz aufgelegt. Das machte auch die Arbeit im Shop und auf dem Marktstand sehr angenehm, denn böse wurde niemand, wenn man sich mal mit dem Preis nicht sicher war oder der Kaffee etwas länger dauerte.

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Aber auch die Farmarbeit machte mir Spaß: Wie ein Kind im Matsch habe ich mich nach dem ersten Arbeitstag gefühlt. Wann darf man sonst schon einmal schmutzige Fingernägel haben? Auch das Traktorfahren, auf das ich mich so gefreut hatte, kam nicht zu kurz. Nach ungefähr zwei Monaten hatte ich es auch einigermaßen raus, mit dem Anhänger rückwärts zu fahren, ohne mich ständig zu verkanten und die Farm in Schutt und Asche zu legen.

Neben den alltäglichen Aufgaben gab es auch welche, die mit der Saison variierten. Ich war von November bis Mai auf dem Hof, also bekam ich vor allem den Winter und den Frühling mit. Zunächst war da die große Kartoffelernte, die bei uns Freiwilligen mittelmäßig beliebt war. Dafür standen wir auf einer mächtigen Maschine, die an einem großen Traktor hing. Dieser fuhr über das Feld und förderte Kartoffeln sowie Steine und Erde auf einem Fließband zutage. Nun stand man den ganzen Tag an diesem Fließband und sortierte Steine aus, wobei das Band recht schnell lief und es mit der Zeit nicht unbedingt wärmer wurde. Das machten wir aber nur ein paar Mal und als wir am Ende des Tages oben auf die riesige Kartoffelkiste kletterten, um die letzte Abendsonne zu genießen, waren wir eigentlich schon wieder versöhnt. Im Winter sollten wir außerdem junge Eichenbäume beschneiden.

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Ein großes Ereignis war es außerdem, als kurz vor Weihnachten endlich die beiden Welpen zur Welt kamen, auf die wir uns lange gefreut hatten.

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Weihnachten verbrachten wir Freiwilligen zusammen auf der Farm, samt selbstgefälltem Weihnachtsbaum, Wichtelgeschenken und einem Weihnnachtsbraten mit Rotkohl und Klößen (Wir waren überrascht, wie gut er schmeckte, hatten wir ihn doch in unserem altertümlichen Ofen zubereitet, der mit Holzscheiten befeuert wurde).

Als es Frühling wurde, kam auch die Zeit der Tiergeburten. Besonders viel zu tun gab es bei den Schafen, da es unheimlich viele waren und je nach Wetter und Gesundheit des Mutterschafes regelmäßig Probleme entstanden. Wir fütterten Lämmchen aus der Flasche, molken Schafe und Ziegen, gewöhnten einige Lämmer an ihre Adoptivmütter, indem wir sie dazu brachten, von ihr zu trinken, assistierten bei Geburten oder fingen Schafe ein, was ein sowohl anstrengendes wie auch spaßiges Unterfangen war.

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Wir brüteten außerdem Küken in einem Inkubator aus und konnten gar nicht genug Fotos und Videos machen, als wir sie beim Frühstück auf unserem Tisch herumliefen ließen.

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Im Frühling bereiteten wir auch die Felder vor, befreiten sie von Steinen, gruben sie um und pflanzten Gemüse. Zwischendrin war aber auch genug Zeit für Urlaub: Mich besuchten viele Freunde, ich reiste ein wenig in Irland herum, schaute mir mit den anderen Freiwilligen weiträumige Nationalparks mit wilder Natur und malerische Küstenstädte an.

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Die Zeit ging schneller vorbei, als ich es erhofft hatte und plötzlich sah ich meiner Heimreise entgegen. Es fiel mir schwer, wieder heim zu fahren, ich hatte mich so sehr an das Arbeiten an der frischen Luft gewöhnt, das Landleben, Cork und Irland, dass ich mir erst einmal bewusst machen musste, worauf ich mich in Köln freute. Als mir dann doch eine ganze Menge einfiel, konnte ich mich aber darauf einlassen und fuhr um viele Erfahrungen bereichert wieder in die Heimat.

Was genau habe ich nun mitgenommen? Ich versuche mal, mich von außen nach innen vorzutasten: Zunächst ist da natürlich mein Englisch, das mir nun wesentlich natürlicher über die Lippen kommt. Englisch zu sprechen macht mir jetzt Spaß und ich höre gerne zu, wenn ein Muttersprachler spricht.
Ganz eindeutig war ich auch körperlich stärker geworden: Baumstümpfe, Benzinkanister, Milcheimer; alles kein Problem mehr. Dinge, die ich vorher nicht heben konnte, konnte ich plötzlich tragen. Diese neue Erfahrung machte ich ungefähr nach der Hälfte meines Aufenthaltes, obwohl die schwere körperliche Arbeit, vor der ich mich ein bisschen gefürchtet hatte, sich wirklich in Grenzen hielt. Klar gab es anstrengende Aufgaben, aber das war lange nicht jeden Tag der Fall.

Gegenüber Ekel bin ich jetzt übrigens auch relativ abgehärtet. Auf dem Bauernhof geht es oft eklig zu, es stirbt ein Tier und liegt eine Weile rum, es wird ein Tier geboren und man sieht Innereien, man muss seine eigene verstopfte Toilette reparieren oder den Kuhstall ausmisten. Doch irgendwie machte mir das alles schnell nichts mehr aus. Nach dem Motto „Ist doch eh nur Scheiße“ duscht man sich am Ende des Tages gründlich ab. wirft die Klamotten in die Wäsche und fühlt sich wieder frisch. Auch was Fleisch und Schlachtung angeht, ist der Ekel ziemlich schnell Neugierde gewichen. So begab ich mich einmal freiwillig in den Wald, um zuzusehen, wie der Farmer eine tote Ziege ausnahm, die schon eine Weile dort gelegen hatte. Er wollte wissen, ob sie schwanger gewesen war und zeigte den daran interessierten Freiwilligen ihre Organe und anderen Bestandteile (sie war übrigens nicht schwanger, ich war dann doch ganz erleichtert, das nicht sehen zu müssen). Ganz am Ende meiner Zeit fuhr ich mit zum Schlachter. Es war eine blutige Angelegenheit und ich glaube, vorher hätte ich das nicht ohne weiteres mit ansehen können, doch in dem Moment machte es mir nichts mehr aus: Die sechs Monate Landleben und die Erfahrung mit der Ziege hatten mich so sehr abgehärtet, dass es mich manchmal sogar erschreckte. Kurz darauf wollten wir uns auch um die Erfahrung bereichern, selbst ein Huhn zu schlachten, auszunehmen und zuzubereiten, was der Farmer uns auch ermöglichte. Es schmeckte leider ziemlich zäh, doch die Erfahrung nahmen wir mit.
Wichtiger als das ist aber wahrscheinlich, wie ich mich persönlich verändert habe. Zunächst einmal habe ich das Gefühl, dass ich mutiger geworden bin. Das betrifft sowohl Kleinigkeiten als auch große persönliche Entscheidungen. Da mir nur noch zwei Jahre meines Studiums bleiben, überlege ich so langsam, was danach und dazwischen passieren soll und bekomme den Eindruck, dass mir die Welt viel offener steht, als ich bisher dachte. Ich fühle mich auch unabhängiger als bisher: Ich hatte mir schon lange gewünscht, eine Zeit im Ausland zu leben und das habe ich mir nun auf eigene Faust ermöglicht. Ich habe mehr denn je das Gefühl, ich könne auf mich selbst aufpassen und dass ich Unterstützung finde, wenn ich das tue, was ich für richtig halte.
Ich bin außerdem unglaublich dankbar für die Freundschaften, die ich dort geschlossen habe. Man wohnt zusammen, teilt sich Zimmer, Essen und Arbeit, Sorgen sowie glückliche Momente. Nach zwei Wochen kennt man sich, nach vier Wochen ist man gut befreundet und danach wird es nur noch besser.

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Übers nach Hause kommen

Nun bin ich schon seit einer ganzen Weile wieder in Deutschland: Genauer in Köln, der Stadt, in der ich lebe, seit ich mich erinnern kann. Es fiel mir überhaupt nicht leicht, an die Heimreise zu denken: Solange ich konnte, schob ich jeden Gedanken daran weg und mochte mir überhaupt nicht vorstellen, wie es werden würde, nicht mehr auf dem Hof zu leben, an der frischen Luft zu arbeiten, Samstags auf dem Markt zu stehen, all die Menschen nicht mehr zu sehen. Köln kam mir vor wie ein Ort aus einem früheren Leben, das ich jetzt gegen ein besseres eingetauscht hatte.

Ich überlegte, was ich dagegen tun konnte (irgendwann muss es schließlich nach Hause gehen und diese Tatsache wurde immer schwieriger zu ignorieren) und mir kam ziemlich schnell eine Idee: Ich konnte ja eine Liste schreiben, mit Dingen, auf die ich mich freute, wenn ich wieder zu Hause war. Und das funktionierte ziemlich gut. Ich überlegte, was ich auf diese Liste setzen würde und mir fielen sofort 1000 Dinge ein. Plötzlich freute ich mich, wieder nach Hause zu kommen und obwohl ich die Liste erst einige Tage später schrieb, hielt dieses erleichternde Gefühl bis zu meiner Abreise an. Gerade habe ich nachgezählt: 47 Dinge stehen dort, sie ist eine bunte Mischung aus Tätigkeiten, Namen und sachlichen Dingen. Beim Durchsehen dieser stelle ich auch fest, dass einiges davon schon abgehakt ist, aber doch noch vieles bleibt, auf das ich mich freuen kann. Denn kaum war ich wieder in Köln, hatte ich auch schon jeden Abend etwas anderes vor, meine Freunde haben mich (zum Glück!) ziemlich auf Trab gehalten. Dadurch habe ich mich extrem schnell wieder eingelebt und nun ist es ein bisschen anders herum: Die Farm scheint ein früheres Leben oder eine Art Traum gewesen zu sein. Ich dachte mir schon, dass es so kommen würde, als ich noch in Irland war und es machte mich ziemlich traurig, darüber nachzudenken. Doch mittlerweile glaube ich, es ist gar nicht schlimm, denn so ist es wohl oft mit schönen Erinnerungen: Die Momente kommen einem nicht mehr real, irgendwie traumhaft vor. Der Unterschied bei meinem Irlandaufenthalt ist nur, dass sich der Moment über ein halbes Jahr erstreckt.

Ein wenig war ich selbst davon überrascht, wie schnell ich mich wieder eingelebt hatte. Ich muss in den Kalender gucken, um festzustellen, dass ich erst seit drei einhalb Wochen wieder hier bin. Gefühlt könnten es auch vier oder fünf oder auch einige Monate sein, so normal fühlt sich alles an. Normal, aber nicht schlecht. Die liebe Karlotta (hier, viele Grüße und ein wenig Ruhm an dich), die mich kurz vor meiner Abreise in Irland besuchte, sagte mir: Maria, ich kann das (meine Nörgelei) total gut nachvollziehen und ich weiß genau, was du meinst, aber ich glaube, Köln ist gar nicht so schlimm, wie es dir gerade vorkommt. Und sie hatte Recht: Es kommt nicht darauf an, wo man ist. Glück ist etwas, um das man sich selbst kümmern muss und ich würde sagen, im Moment gelingt mir das ganz gut.

Nun habe ich euch relativ ausführlich von dem Gefühlsbad meiner Heimreise erzählt und wie sich alles doch noch zum Guten gewendet hat, doch fehlt hier nicht eine Reflexion über meinen Freiwilligendienst? Darüber, wie ich mich persönlich verändert habe, was ich jetzt anders sehe? Wie es aussieht, bleibt uns das erspart: Beim Durchlesen meines Fazits nach 3 Monaten stelle ich fest, dass alles, was ich an dieser Stelle schreiben würde, sich schon dort wiederfindet. Wie bringe ich das jetzt bescheiden rüber? Meine gute Freundin und sehr treue Leserin Luise (auch nach Italien sende ich ein wenig Ruhm) fand, das sei mein bester Eintrag soweit gewesen, also schätze ich, ich würde niemandem einen Gefallen tun, die gleichen Dinge hier noch einmal umformuliert aufzulisten. Aber schaut gerne nochmal rein!

Ganz zuletzt noch etwas Flauschigkeit: Die Border Collie-Welpen waren, zu dem Zeitpunkt, als ich sie fotografierte (Anfang März), ungefähr zwei einhalb Monate alt. Sie heißen Brownie und Nick. Ihr könnt euch ja mal den Kopf darüber zerbrechen, welcher welcher ist.

Tag 25 und 28: Stroh, Schnee und Schwein

Eine unserer alltäglichen Aufgaben besteht darin, die Menschen, die auf der Farm wohnen, mit Feuerholz zu versorgen. Die Häuser aus dem 18. Jahrhundert werden mit kleinen Holzöfen beheizt, die mit Heizbatterien verbunden sind, wie wir sie von zu Hause kennen. Dementsprechend gibt es im Winter viel zu tun: Holz spalten, es für den Shop verkaufen oder mit dem Kubota auf der Farm transportieren. Da wir an einen Farmbewohner nicht beliebiges Holz liefern sollten, erklärte uns Colin heute den Unterschied zwischen Hardwood und Softwood. Das Hardwood, das wir ihm bringen sollten, ist elastischer und knackiger im Vergleich zum Softwood und brennt länger. Dazu zählt beispielsweise Eichenholz. Man merkt das auch beim Spalten mit der Maschine: Die Klinge bohrt sich tief in das Softwood, bevor es auseinanderfällt und macht dabei eher ein reißendes Geräusch, wohingegen das Hardwood sehr schnell auseinanderspringt, sobald man anfängt, es zu spalten. Manchmal fliegt es richtig durch die Gegend, weil es so elastisch ist.

Später an dem Tag hatten wir außerdem eine Art Pyjama-Party: Wir bauten uns eine kleine Schlafecke aus Strohklötzen, die wir liebevoll Strawcastle tauften. Nach dem Abendessen statten wir uns mit Decken, Schlafsäcken, Bier und Chips aus und machten uns auf den Weg ins Holzlager, wo das Strawcastle stand. Bei Nacht ist das Lager ein gruseliger Ort: Der Platz ist relativ groß, sodass vieles in der Dunkelheit verborgen bleibt. Die hohen Säulen des Lagers erzeugen eine schaurige Atmosphäre. Im Strawcastle hingegen war es sehr gemütlich: Obwohl es draußen ziemlich kalt war (es war Dezember) und wir keine Decke über dem Kopf hatten, blieb es drinnen schön warm. Wir hatten die Strohklötze relativ hoch zu Wänden gestapelt, innen blieb eine kleine Fläche, in der wir den Abend und die Nacht verbrachten. Wir hatten einen Laptop dabei und schauten uns einen Film an (so richtig überzeugt haben die Chroniken von Narnia ja nicht), tranken Bier, aßen Chips, es war sehr gemütlich. Doch, wie eine weise hochgewachsene Frau mir einst im Zusammenhang mit Bier trinken sagte: Wenn du einmal den Fluss öffnest, dann läuft alles. Um das Bier also wieder loszuwerden, muss man natürlich aus dem Strawcastle rausklettern und je mehr Bier man getrunken hat, desto schwieriger wird es, in der Dunkelheit nicht zwischen zwei Strohklötze zu treten und das Gleichgewicht zu behalten, wenn man oben auf der Wand steht. Worauf will ich bloß hinaus? Irgendwann musste ich zum wiederholten Male auf Toilette. Die anderen schauten den Film weiter (ich konnte sowieso schon lange nicht mehr folgen) und hörten plötzlich ein unglaubliches Getöse. Ich hatte oben auf der wackeligen Wand die Balance verloren und war mitsamt einem Teil der Wand bestimmt 2 m in die Tiefe gefallen. Ich kam mit dem Hintern voran und relativ unsanft auf entrindeten Baumstämmen auf. Wie ich da so auf dem Rücken lag, die Beine noch nach oben gestreckt, dachte ich draüber nach, was passiert war und wie ich gerade aussah und konnte mich erst einmal lange nicht mehr einkriegen vor Lachen. Die anderen fragten mehrmals nach, ob es mir gut ginge, dem Krach nach zu urteilen hätte ich mir mindestens den Großteil meiner Knochen brechen müssen. Es tat aber kaum weh (was vielleicht auch ein bisschen am Bier lag) und ich trug nur zwei riesengroße blaue Flecken davon. Schlafen konnten wir, wegen des Platzmangels, nicht besonders gut, doch durch die frische Morgenluft fühlte ich mich am nächsten Tag angenehm fit. Wir genossen das dämmrige Morgenlicht, hörten ruhige Musik und tranken unser letztes Bier, bevor wir uns an die Arbeit machten.

Drei Tage später gab es ein weiteres Ereignis: Den ersten Schnee. Insgesamt hat es den ganzen Winter über vielleicht vier Mal geschneit, was für Irland schon ungewöhnlich viel ist. Dementsprechend kommt es immer unvorbereitet: Durch die höchstens 30 cm hohe Schneedecke war der ganze Straßenverkehr lahmgelegt, die Kinder hatten Schulfrei.

Ziegen im Schnee - Dieses Foto hat Christoph gemacht

Ziegen im Schnee – Dieses Foto hat Christoph gemacht

Auch Ziegen im Schnee, auch von Christoph

Auch ein Foto von Christoph

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Tamara, Christoph und Luise

Der Ausblick vom Gemüsefeld ist auch ohne Schnee wunderschön

Der Ausblick vom Gemüsefeld ist auch ohne Schnee wunderschön

Der Weg vom Haus zum Haupttor

Der Weg vom Haus zum Haupttor

Außerdem hatte Colin sich etwas besonderes für die Vorweihnachtszeit einfallen lassen: Im Shop sollten wir Holleys, also Stechpalmen verkaufen. Sie sind hier unglaublich beliebt als Weihnachtsdeko, besonders, wenn sie rote Beeren tragen. In einem kleinen Abschnitt am Wald schnitten wir die Zweige mit einer Zange ab und brachten sie tütenweise nach Hause. Wir sortierten sie dann nach Zweigen mit und ohne Beeren und verkauften sie bündelweise in Cork.

An dem Tag, an dem wir die Holleys pflückten, trug sich noch eine andere Geschichte zu. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass die meisten Aufgaben auf der Farm zwar manchmal anstrengend, aber nicht wirklich knifflig sind. Natürlich gibt es auch da Ausnahmen. Colin trug uns auf, im großen Schweinegehege das männliche Schwein von den anderen zu separieren, damit er es zum Schlachter bringen konnte. Er sagt aber if it’s possible und glaubte nicht so richtig daran, dass wir es schaffen würden. Wie schwer kann das schon sein? Es stellte sich als extrem schwierig heraus. Die Schweine haben ein großes Gehege, den Pigforest, an den u.a. ein kleines Haus angrenzt. Es ist zur anderen Seite auch offen, da sich dort eine Art kleiner Vorhof befindet, in dem wir die Schweine normalerweise füttern. Der Plan war nun, alle Schweine aus dem Gehege in den Hof zu treiben und dann nacheinander alle, bis auf das männliche, wieder ins Haus zu schieben. Den Durchgang zum Haus blockierten wir mit einem großen Brett, das jemand festhielt und wegnahm, wenn ein Schwein ins Haus ging. Mittlerweile habe ich schon öfter die Erfahrung gemacht, dass genau das Tier, auf das man es abgesehen hat, sich nicht so verhält, wie man es gerne hätte. Als wüsste es, was man vorhat, handelt es entgegen allen Plänen und macht einem das Leben schwer. Und natürlich bleiben die Tiere gerne zusammen. Auch bei dem Schwein war es so. Erst wollte es aus dem Haus nicht so richtig in den Hof kommen, obwohl wir es mit Futter anlockten und die anderen Schweine bestens darauf reagierten. War es einmal im Hof und wir trieben die anderen Schweine wieder rein, nahm es blitzschnell reißaus. Es polterte zusammen mit den anderen wieder ins Haus hinein. Ich war die Person mit dem Brett (wir waren zu dritt gegen ca. 7 Schweine) und auch beim zweiten Versuch probierte ich noch das Schwein damit aufzuhalten, doch ich hatte keine Chance. Dieses Brett war dem 200kg-Eber herzlich egal, er brach einfach dadurch. Als mir das zum dritten Mal passierte (wir waren bestimmt schon 40 Minuten am Werk) verlor Nicolas, der die Schweine immer in den Hof treiben musste, die Geduld und wir tauschten Plätze. Natürlich war er genauso machtlos gegen das Tier wie ich, verzweifelt versuchten wir es zu dritt festzuhalten, als es zum erneuten Male entwischte und uns alle einfach überrannte. Allmählich verloren wir die Nerven und waren frustriert über die langwierige, erfolglose Aktion. Wir beschlossen, den Plan zu ändern: Wir brachten alle Schweine ins Haus, Nicolas ging in das Außengehege, Christoph und ich blieben im Haus. Da zwischen dem Haus und dem Gehege eine normale Tür ist, konnte Nicolas sie auf Zuruf auf- und zumachen. Wenn wir also ein weibliches Schwein nach draußen schickten, riefen wir ihm zu, die Tür aufzumachen. Näherte sich das männliche Schwein der Tür, sollte er sie zuhalten. Das funktionierte so überraschend gut, dass wir es kaum glauben konnten, als wir plötzlich an unserem Ziel ankamen: Das männliche Schwein war separiert und bereit zur Abholung, wir waren erschöpft aber glücklich und vor allen Dingen unheimlich stolz auf unseren Erfolg.

Einschub: St. Patrick’s Day Impressionen

Letzte Woche Dienstag, am 17.03. war der irische Nationalfeiertag: St. Paddy’s, wie er liebevoll genannt wird. Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, den irischen Schutzheiligen gebührend zu feiern. Es war ein bisschen wie Karneval in Köln, nur irgendwie grüner und mit weniger Müll, aber natürlich nicht ganz so schön!

Tag 23 und 24: Killarney

Unsere Reise nach Killarney ging hektisch los: Colin hatte uns versprochen, uns nach Macroom zu bringen, wo der Bus abfuhr. Obwohl der Zeitpunkt, den er uns genannt hatte, uns schon relativ knapp vorkam, schien er auch nicht wirklich gestresst, als wir zehn Minuten zu spät losfuhren. Schlussendlich kamen wir so knapp an der Haltestelle an, dass die anderen Passagiere schon dabei waren, in den Bus zu steigen. Colin hielt direkt daneben und wir sprangen allesamt so schnell wir konnten aus dem Auto in den Bus.

In Killarney angekommen, brachten wir nur unser Gepäck zum Hostel und machten uns dann sofort auf die Suche nach dem Fahrradverleih, bei dem für Gäste unseres Hostels ein Rabatt versprochen wurde. Den Laden leitete ein lustiger Opa, der uns das rechnen überließ (obwohl es sich wirklich um einfache, runde Summen handelte). Er schien auch zuerst nicht genug Fahrräder zu haben, für mich holte er eines von irgendwo her (vielleicht ein anderer Fahrradverleih oder das Rad seiner Nichte oder so?). Von der Größe passten sie alle mehr schlecht als recht, doch sie fuhren sich ganz gut (wenn die Kette nicht raussprang, doch das war nur ein einziges Mal der Fall). Mit dem Linksverkehr waren wir etwas überfordert, doch zum Glück ist Killarney so eine kleine Stadt, dass der Weg zum Nationalpark nicht lang genug war, um uns in einem tragischen Verkehrsunfall das Leben zu kosten. An dieser Stelle ist vielleicht noch mein Verhältnis zu Fahrrädern zu klären: Für mich sind sie eher Mittel zum Zweck und meistens ist der Zweck mit Bahnfahren mehr als erfüllt. Wenn ich mal zu Hause auf das Fahrrad steige, dann ist die Strecke höchstens 1-2 km lang und die öffentliche Verkehrsanbindung ist extrem ungünstig. Ich sah aber ein, dass ich auf dem Fahrrad mehr vom Nationalpark sehen würde und habe die Entscheidung am Ende auch nicht bereut. Selbst das hügelige Auf und Ab war nicht besonders störend, da wir viele Pausen einlegten, um uns umzusehen und zu fotografieren. Auch das Wetter hielt sich einigermaßen und saisonal bedingt war es schön ruhig in dem Park. Die Natur in dieser Gegend ist unglaublich: Schon im Bus auf dem Weg nach Killarney konnte ich nicht anders, als die ganze Zeit aus dem Fenster zu sehen. Plant ihr einen Trip nach Irland, solltet ihr den Killarney National Park auf keinen Fall auslassen.

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Als es langsam dämmerte und zu regnen anfing, fuhren wir zurück in die Stadt und setzten uns in ein Café. Wie immer bestellten sich Luise und Leah traditionell irisch schwarzen Tee mit Milch und jeder einen Scone. Ich bin bei meiner Wahl eher selten bescheiden: Wenn andere Menschen die Karte lesen und sich ihnen bei der Beschreibung eines Heißgetränks der Magen umdreht und sie spontan Karies bekommen, ist es meist das, was ich bestelle. Diesmal lief es auf einen Cappuccino Vienese mit Vanillearoma und Schokosahne hinaus.

Nachdem wir uns im Hostel ausgeruht und schön gemacht hatten, gingen wir zu einem Pub, der in meinem Reiseführer mit täglich Livemusik ausgezeichnet war. Als ich ihn betrat, sah ich sofort alle meine Vorstellungen eines traditionellen irischen Pubs erfüllt: Er war schmal und dämmrig, es gab sehr viel Holz, Tische und Bänke verschiedener Höhe, unterschiedlich aussehende Hocker und Stühle, dunkle Holzbalken, mit Blechschildern und Plakaten tapezierte Wände und eine schmale Treppe nach oben. Passend dazu spielte eine Irin Akustikgitarre und sang einen Mix aus Country, Weihnachtsliedern und Covern. Ich wurde sogar einmal zum tanzen aufgefordert. Dabei handelte es sich aber um eine junge Frau, vielleicht etwas älter als ich, die uns schon vorher durch ihre ausgelassene Stimmung aufgefallen war. Unser Tisch stand direkt vor der Bühne, also direkt neben der Tanzfläche, sodass wir beobachteten, wie sie ausgelassen mit den unterschiedlichsten Pubgästen (meist alte Männer) tanzte. Als ich Fotos machte, kam sie an unseren Tisch, riss mir das Handy aus der Hand und schoss zahlreiche Selfies mit uns. Später erwürgte sie fast Leah, beim Versuch, sie zum tanzen zu animieren. Als sie eine ganze Weile später mich aufforderte, versuchte ich mich aus der Affäre zu ziehen, indem ich probierte, ihr einen der Jungs anzudrehen, doch da sie darauf bestand, mit mir zu tanzen und einfach nicht locker ließ, gab ich irgendwann auf. Wir waren zu dem Zeitpunkt die einzigen tanzenden und in diesem schmalen Pub vor der winzigen Bühne waren wir gut sichtbar für alle anderen Gäste. Ich stellte mich auch nicht besonders geschickt an: Ob es an dem vielen Bier oder an dem komischen Tanzstil des Mädels lag, weiß ich nicht. Es war sicherlich eine Kombination aus beidem, doch ich glaube/hoffe, ich konnte es ganz gut vertuschen. Trotz allem machte es ziemlichen Spaß und ich fühlte mich nach dieser Aktion ein kleines bisschen irischer.

Anschließend zogen wir in einen anderen Pub, den uns die Sängerin empfohlen hatte. Hier musste man Eintritt bezahlen, weil zu der Bar auch eine Disco gehörte. Netterweise erließ uns der Türsteher den halben Preis. Dieser Laden war wesentlich größer und moderner eingerichtet, aber auch sehr gemütlich. Die Livemusik war hervorragend: Die Band spielte einen Mix aus Rockmusik, der so tanzbar war, dass wir uns erst in die Disco begaben, als die Livemusik aufhörte. Unglücklicherweise schloss der Pub schon eine halbe Stunde später, wie es in Irland üblich ist, um 2 Uhr.
Nach dem Frühstück am nächsten Tag bummelten wir durch die Souvenirläden Killarneys und teilten uns danach auf. Ich begab mich mit Christoph und Nicolas zur St. Mary’s Cathedral, einer wunderschönen Kirche im neugotischen Stil.

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Anschließend gingen wir noch einmal in den Nationalpark, in dem wir uns dieses Mal ziemlich verliefen. Wir schlugen uns durchs Gebüsch, sprangen über einen Bach, kletterten über einen Zaun und fanden am Ende doch noch den Weg zum Ausgang. Die anderen trafen wir im Murphy’s, einer Öko-Homemade-Eisdiele, die es noch in drei anderen irischen Städten gibt. Das Eis war mehr als köstlich, ich werde alles daran setzen, auch noch die anderen Läden abzuklappern. An dem Tag gab es sogar einen gratis-Kaffee zu jedem Eis. Sehr viel mehr gab es in Killarney dann nicht mehr zu sehen und so machten wir uns bald darauf auf den Heimweg.

 

Fazit nach 3 Monaten/Tag 22: vertraute Gäste aus fernen Ländern

Mit diesem Beitrag möchte ich eine kleine Zeitreise machen in das aktuelle Geschehen und wieder zurück in den Dezember, um meiner Chronologie treu zu bleiben. Um mich herum passieren so viele interessante Dinge, dass ich mittlerweile schon Monate hinter der aktuellen Zeit bin. Das tut mir ein bisschen Leid, schließlich ist es ja irgendwie interessanter, einen topaktuellen Eintrag zu lesen, doch auf der anderen Seite nehme ich mir für jeden Eintrag einen ganzen Abend Zeit. Wenn man nicht jeden Abend bloggen möchte, ohne etwas anderes zu machen und die Beiträge nicht an Zeitmangel leiden sollen, geht es also kaum anders, als ein bisschen hinterherzuhinken. Natürlich habe ich auch manchmal keine Lust oder bin zu müde aber alles in allem macht es mir immer noch großen Spaß und ich hoffe, ihr seid mir nicht böse wegen meiner Unaktualität. Nicht zuletzt höre ich von immer mehr Freunden, dass sie es nicht schaffen, wirklich alle Einträge zu lesen, also möchte ich euch natürlich nicht noch mehr überfordern 😉
Mittlerweile bin ich schon seit über drei Monaten hier. Die Zeit die bleibt, ist kürzer, als die, die ich schon hinter mir habe, was mir ein bisschen Angst macht. Jeder Monat scheint auch schneller vorbeizugehen als der vorherige. Doch andererseits weiß ich, dass auch im schönen Köln das Leben nicht vorbei ist und kümmere mich fleißig um Praktikumsplätze und Nebenjobs. Ich denke auch darüber nach, ob mein Freiwilligendienst mich verändert hat und ich glaube, dass das bereits ein bisschen der Fall ist.

Wo fange ich an? Ich versuche mal, mich von außen nach innen vorzutasten: Zunächst ist da natürlich mein Englisch, das mir nun wesentlich natürlicher von den Lippen kommt. Englisch zu sprechen macht mir Spaß und ich könnte mir sogar vorstellen, wenn ich wieder da bin, mir auch mal einen Film in Originalvertonung anzusehen (Einige von euch wissen, was für ein großes Zugeständnis das ist).
Ganz eindeutig bin ich auch körperlich stärker geworden: Baumstümpfe, Benzinkanister, Milcheimer; alles kein Problem mehr. Dinge, die ich vorher nicht heben konnte, kann ich jetzt tragen und ich freue mich sogar schon auf den nächsten Umzug (Hoffentlich lässt sich das nicht ausschließlich auf eine Zunahme der Körpermasse aufgrund der vielen Kekse zurückführen). Gegenüber Ekel bin ich jetzt übrigens auch relativ abgehärtet.
Wichtiger als das ist aber wahrscheinlich, wie ich mich persönlich verändert habe. So richtig kann ich das wohl erst sagen, wenn ich wieder in Köln bin, doch auch jetzt schon habe ich das Gefühl, dass ich mutiger geworden bin. Das betrifft sowohl Kleinigkeiten als auch große persönliche Entscheidungen. Da mir nur noch zwei Jahre meines Studiums bleiben, überlege ich so langsam, was danach und dazwischen passieren soll und bekomme den Eindruck, dass mir die Welt viel offener steht, als ich bisher dachte. Ich fühle mich auch unabhängiger als bisher: Ich hatte mir schon lange gewünscht, eine Zeit im Ausland zu leben und jetzt habe ich mir das auf eigene Faust ermöglicht. Ich habe mehr denn je das Gefühl, ich kann auf mich selbst aufpassen und dass ich Unterstützung finde, wenn ich das tue, was ich für richtig halte.
Ich bin unglaublich dankbar für die Freundschaften, die ich hier geschlossen habe. Es sind Menschen, mit denen ich lachen und weinen kann, ich möchte sie nie aus den Augen verlieren. Nächsten Monat wird sich unsere Gruppe wesentlich reduzieren. Das finde ich schade, doch so ist der Lauf der Dinge: Man soll gehen, wenn es am schönsten ist, sagt man. Warum? Weiß ich auch nicht genau, ich glaube, dieser Spruch soll nur Trost spenden, wenn man gar nicht anders kann, als zu gehen. Doch die Mädels haben große Pläne, andere Projekte oder freuen sich einfach nur auf zu Hause und auch ich bin gespannt, wie es auf der Farm weitergeht. Es werden neue Freiwillige kommen, es wird Frühling und Sommer werden und auch ein großer Urlaub ist geplant. Ich halte euch weiterhin auf dem Laufenden und damit ich in meiner Berichterstattung wieder ein bisschen weniger hinterherhinke, reise ich an dieser Stelle wieder in die Vergangenheit.

Tag 22: vertraute Gäste aus fernen Ländern

Man sollte meinen, das Leades House ist so weit abseits gelegen, dass außer dem ein oder anderen verirrten Schaf nur diejenigen diesen verzauberten Ort finden, die um ihn wissen. Alteingesessene Iren geben sich die Wegbeschreibung von Generation zu Generation weiter, auf Landkarten ist dieses geheimnissvolle Fleckchen Erde nämlich nicht verzeichnet. Dennoch fand eines kalten Wintermorgens ein Gast aus dem fernen Morgenland den steilen Pfad zum Hügel der Farm. Keuchend blieb er vor der roten Holztür stehen. Als er sie vorsichtig öffnete, gab sie ein lautes Knarzen von sich. Der Mann zuckte zusammen, denn auf keinen Fall wollte er in dieser frühen Stunde jemanden wecken. Er federte den Gang seiner schweren Stiefel ab, während er sich durch den langen dunklen Flur bewegte. Bald fand er, wonach er suchte: Sechs Paar sauber geputzte Schuhe standen ordentlich aufgereiht am Ende des Ganges. Er stellte den schweren Sack ab, den er über der Schulter trug, wickelte ihn gekonnt auf und griff mit seinen großen, wulstigen Händen tief hinein. Behutsam befüllte er einen Stiefel nach dem anderen mit den feinsten Leckereien, bis die Schuhe fast überquollen. Er lauschte kurz, ob er ein Geräusch aus den anderen Räumen vernahm, doch alles, was er hörte, war eine winzige Maus, die ungeduldig an einem waldgrünen Stiefel kratzte. Der Fremde langte noch einmal in den Sack und holte eine einzelne Nuss heraus, die er dem kleinen Wesen hinlegte. Die Maus hielt inne, schnüffelte kurz, griff sich die Nuss und rannte dann blitzschnell den langen, dunklen Flur entlang, zurück zu ihrem Versteck. Der Gast richtete sich wieder auf, warf sich den Sack über die Schulter und verschwand so lautlos, wie er gekommen war. Selbst die knarzende Tür gab dieses Mal kein Geräusch von sich.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, sah ich sofort die vielen, mit Süßigkeiten gefüllten Schuhe und rief freudig: Oh, Nikolaus was here! And he brought us sweets…Where are my shoes?!
Zunächst dachte ich, der Nikolaus habe einen meiner schönen, neuen, italienischen Halbstiefel mitgehen lassen, als er den anderen Süßigkeiten brachte. Vielleicht hat er ja eine junge geliebte mit ausgezeichnetem Schuhgeschmack oder trägt selbst gerne Damenschuhe? Zum Glück stellte sich heraus, dass Leah ihre Stiefel mit meinen vertauscht hatte, die diesen ähnlich sahen. So kam ich am Ende doch noch sowohl an meine Schuhe als auch an eine gute Portion Süßigkeiten. An dieser Stelle gilt Luise besonderer Dank, die dafür sorgte, dass unsere Schuhe in der richtigen Nacht am richtigen Platz waren.

Etwas erheiterndes für zwischendurch…

Diese google-Suche hätte nie stattgefunden, wenn unser Toaster nicht zum wiederholten Male kaputt gegangen wäre. Der Artikel, den ich dabei gefunden habe, war zwar nicht besonders hilfreich, dafür aber das amüsanteste, was ich in letzter Zeit gelesen habe (Preisfrage: Nach was habe ich wohl gesucht?).

Experiment: Ein Elektrogerät bauen – Der Selfmade-Toaster – Wissen – Süddeutsche.de.

Als ich das Bild gesehen habe, musste ich übrigens sofort an Barcelona denken.

Tag 21: Schweinebegräbnis

Heute morgen haben wir ein Ferkel begraben, das vor einigen Tagen gestorben ist. Die Ursache ist nicht ganz klar. Eines Tages stellten wir beim Füttern fest, dass es nicht aufstehen konnte: Als es versuchte, sich aufzurichten, gaben seine Beine sofort nach. Später, als es etwas hilflos im Stall lag, habe ich beobachtet, wie ein anderes Ferkel zu ihm hinging und es vorsichtig mit dem Rüssel anstieß, man könnte fast sagen, es wirkte besorgt.
Ich habe es jedoch schon vorweggenommen: Das Schwein überlebte nicht und heute brachten wir es mit dem Kubota in den dead forest, wo es viele Gruben im Boden gibt. In eine davon schmissen wir das Schwein und schaufelten Erde vom Rand des Loches darauf, was wegen der vielen Wurzeln im Boden relativ schwierig war. Wie die anderen da so schaufelten und immer weniger von dem Schwein zu sehen war, kam mir eine schreckliche Erkenntnis: Ich war mit dem Anhänger immer weiter über den engen Waldweg gefahren, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass ich auch irgendwann wieder da raus musste. Wenden war ziemlich aussichtslos, da der Weg genauso breit war wie das Fahrzeug. Mir blieb also nichts anderes übrig, als rückwärts zu fahren. Warum das so ein großes Problem ist, wisst ihr ja schon aus einem früheren Beitrag. Da man bereits Schwierigkeiten hat, den Bäumen auszuweichen, wenn man vorwärts durch diesen Wald fährt, potenzierte sich das Problem naürlich ungemein, als ich relativ unkontrolliert rückwärts steuerte. Ich wich aus, duckte mich und griff nach den Ästen, doch zu einem Zeitpunkt steckte ich so sehr in einem Baum fest, dass ich nicht einmal mehr an die Schaltung rankam. Hinzu kommt, dass durch das ständige Anfahren auf Erdhügeln und Baumwurzeln auch zwischenzeitig der Motor verreckt ist. Natürlich wollten alle Umstehenden mir helfen und riefen laut durcheinander, in welche Richtung ich lenken sollte, was das Stressniveau nicht unbedingt senkte. Irgendwann hatte Christoph tiefer im Wald eine Stelle gefunden, zu der ich hätte vorwärts fahren und dort wenden können, doch da war ich schon seit einer ganzen Zeit dabei, rückwärts auf die andere Lichtung zuzusteuern. Stur, weil mich der Ehrgeiz gepackt hatte, blieb ich weiter auf meinem Kurs und schaffte es letzendlich doch noch, rückwärtsrauszukommen und zu wenden. Ich war so erleichtert und stolz, dass ich einen Jubelschrei ausstieß.

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Heute musste außerdem wieder die Toilette gefixt werden. Ungefähr einmal im Monat passiert es, dass der Abfluss verstopft und sich jemand dieser unangenehmen Aufgabe widmen muss. Vor unserem Haus gibt es ein ca 1m² großes, nicht sehr tiefes Wasserbecken im Boden, das normalerweise durch Holzbalken abgedeckt ist. Dort findet man alles, was sich einmal im Klo befunden hat. Normalerweise fließt es relativ zügig in einer Ecke dieses Bassins ab, weiter in die Kanalisation. Ist das Klo jedoch verstopft, muss man ein wenig nachhelfen und mit einem langen, ehemals gelben Stab die stinkenden Bestandteile dieser Suppe in die gewünschte Richtung rühren, bis alles abgeflossen ist.

Später am Nachmittag kam mein erstes Päckchen von zu Hause: Neben Dingen, an die ich nicht gedacht hatte, die sich aber als sinnvoll herausstellten (ein sehr unsexy aber dafür sehr warmer Pyjama, lange Unterwäsche,…) bekam ich auf meinen Wunsch hin gute Arbeitshandschuhe (zum jetzigen Zeitpunkt ist noch eines der drei Paare intakt, denn man braucht sie einfach immer), Duschschlappen und eine unüberschaubare Menge an Süßigkeiten und Keksen. Ich war völlig aus dem Häuschen vor Freude und rief sofort zu Hause an.

Den Abend verbrachten wir in Macroom, denn dort gab es an diesem Tag einen Weihnachtsmarkt. Ich hatte schon Sorge, dass ich ganz ohne Glühwein durch diesen Winter kommen müsste und als ich den kleinen Glühweinstand im Gewühl endlich aufgespürt hatte, war ich mehr als selig. Der Weihnachtsmarkt war ziemlich beschaulich: Es gab einige Essensstände und ein bisschen Deko. Das Gedränge jedoch stand den Kölner Touri-Weihnachtsmärkten in nichts nach. Der Abend war wirklich schön. Ich kaufte mir eine Tüte Fudge (von dem ich bis jetzt noch nicht so richtig überzeugt bin), hörte der begabten Liveband zu und genoss die vorweihnachtliche Atmosphäre. Nach dem Weihnachtsmarkt-Besuch setzten wir uns draußen an einen Pubtisch und tranken ein Bier, bis Colin uns wieder abholte. Als wir wieder zu Hause waren, aßen wir selbstgemachte Burger zum Abendbrot.

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Tag 19: Candlelightdinner

Heute war eigentlich ein ganz normaler Tag voll mit Shopvorbereitungen: Gemüse sammeln, Suppe schnibbeln, Joghurt machen. Allerdings sollte uns heute für einige Stunden der Strom abgedreht werden. Das bedeutete auch, dass wir den Boiler nicht heizen und nicht viel Wasser verbrauchen durften, da die Wasserpumpe elektrisch betrieben ist. Der Strom ging Nachmittags eine Stunde lang an und blieb dann wieder eine lange Zeit aus, sodass wir den ganzen Abend über kein Licht hatten. Also tummelten wir uns in der Küche und filmten eine Szene für Leahs kleines Filmprojekt. Es handelte sich dabei um ein Weltuntergangs-Szenario (oder etwas ähnlich verheerendes), eine Stroboskop-App sorgte für die angemessene Atmosphäre. Wir rannten also bei Blitzlichtgewitter und ansonsten völliger Dunkelheit kreischend in der Küche hin- und her (nein, ihr dürft das Video leider nicht sehen). Als Luise an der Tür vorbeilief, sprang sie plötzlich etwas schreiendes aus der Finsternis an. Es war Nicolas, der sich versteckt hatte und Luise jetzt einen so entsetzlichen Schrecken bereitete, dass sie völlig den Kopf verlor, kreischend weglief und dann fünf Minuten brauchte, um sich zu erholen und zu Atem zu kommen. Der Aufwand hatte sich aber auf jeden Fall gelohnt, denn wir alle Beteiligten (auch Luise) konnten sich vor Lachen kaum noch einkriegen.

Kaum war dieses Ereignis überwunden, folgte bald schon der nächste Schock. Aus dem Boilerraum hörten wir ein Grollen und Blubbern, das immer lauter zu werden schien. Bald standen wir alle etwas ratlos vor der Tür und befürchteten schon das schlimmste: Vielleicht eine Explosion des Boilers, die uns unter Umständen unser Leben kosten würde. In der einen Stunde, in der wir Strom hatten, wurde nämlich der Boiler geheizt. Soweit ich es verstanden habe, staut sich dann die Hitze, weil das Wasser nicht abgepumpt wird. Colin wuselte hin- und her, wir standen etwas hilflos mit unseren Taschenlampen herum, guckten und streichelten den Hund. Irgendwann schüttete Colin Wasser auf das Feuer und sagte, dass alles in Ordnung sei. Auch wenn der Druck weiter gestiegen wäre, hätte es ein Ventil gegeben, aus dem das Wasser hätte entweichen können (Man verzeihe mir bitte eventuelle Unstimmigkeiten, ich habe mich mit den genauen technischen Details nicht auseinandergesetzt).

Den Rest des Abends verbrachten wir bei Kerzenschein in der Küche. Während die einen Gitarre übten oder Schach spielten, bereitete Leah mithife einer Taschenlampe Spiegelei und Toast zu. Ich beschäftigte mich damit, zu fotografieren und mein Reisetagebuch zu schreiben. Als der Strom wieder da war und das große Licht anging, fanden wir das plötzlich sehr ungemütlich und machten es wieder aus, um noch einige Zeit die romantische Atmosphäre zu genießen.

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